Züchterwünsche
Jedem seriösen und verantwortungsvollen Züchter liegt das Wohl seiner Nachzuchten am Herzen. Er möchte daher einen guten und dauerhaft sicheren Platz für seinen Nachwuchs bei zuverlässigen und liebevollen Menschen finden. Er zieht seine Tiere mit so viel Liebe und Begeisterung auf, dass ihm der Verbleib seiner Schützlinge nicht egal sein kann. Aus diesem Grund fragt sich jeder gute Züchter, wie das neue Familienmitglied im neuen Zuhause leben darf, wo es sein Eckchen finden wird, welches Futter es bekommen wird - ganz einfach: wie es ihm ergehen wird.
Kein seriöser Züchter würde daher einem Interessenten das Tier einfach in die Hand drücken und ihn damit sofort wieder verschwinden lassen - so etwas geschieht nur im Zooladen oder bei unseriösen Vermehrern. Ein Züchter wird den Interessenten stattdessen auf Herz und Nieren prüfen und sich vergewissern, dass er den richtigen Platz für seinen Schützling gefunden hat. Das hat nichts mit einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber dem Interessenten zu tun, sondern soll lediglich sicher stellen, dass es dem Tier gut ergehen wird. Dies ist eine enorme Verantwortung für den Züchter und mit viel Aufwand verbunden, denn ein guter Züchter wird einem interessierten Hamsterfreund lieber vom Kauf abraten, wenn er der Meinung ist, dass die Haltungsvoraussetzungen nicht erfüllt sind. Keinesfalls geht es ihm darum seine Tiere möglichst schnell "loszuwerden". Bei einem Züchter, der sich nicht dafür interessiert, was mit dem Tier geschehen wird, sollten Interessenten schnell die Alarmglocken klingeln hören!
Was man als Interessent tun kann
- Informiere dich beim Züchter zunächst detailliert über die gezüchtete Rasse und über seine Tiere im Speziellen. Vorkenntnisse können dabei nicht schaden, denn das zeigt dem Züchter, dass der Kauf keine Spontanentscheidung, sondern von langer Hand geplant und vorbereitet ist.
- Nach der ersten Kontaktaufnahme per Email oder Telefon kann man sich dann gegenseitig besser kennenlernen und einschätzen. Das bietet die Möglichkeit, bereits wichtige Fragen zu klären und
auch den Züchter auf vorhandenes Wissen und kompetente Beratung zu prüfen.
- Es kann passieren, dass du den richtigen Züchter nicht im ersten Anlauf findest, oder dass deine bevorzugte Zucht gerade keinen Nachwuchs abzugeben hat. Frage ruhig nach, wann wieder Nachwuchs geplant ist und ob vielleicht eine Warteliste besteht, in die du dich eintragen lassen kannst. Wenn du von der Zuchtstätte überzeugt bist, lohnt es sich häufig ein paar Wochen oder Monate zu warten, statt beim nächstbesten Angebot zuzugreifen.
- Beantworte die Fragen des Züchters nach deinen Haltungsbedingungen ehrlich und aufrichtig. Ein gewissenhafter Züchter wird diese Fragen ohnehin stellen und hat in der Regel auch genug Erfahrung um zu merken, ob man ihm etwas vormacht.
Was man als Interessent nicht tun sollte
Leider gibt es immer wieder Interessenten, die per Mail oder am Telefon als erstes nach dem Kaufpreis des Tieres fragen. Noch bevor sie ihren Namen genannt haben, oder fragen, ob noch ein Tier zu haben ist oder sie überhaupt eines bekommen können, wird die obligatorische Frage gestellt: "Was kostet ein Hamster?"
Für einen Züchter sind solche Anfragen allenfalls lästig. Die Art und Weise erinnert an den Kauf eines Gebrauchsgegenstands, eines Wegwerfartikels, den man möglichst günstig erwerben und möglichst unkompliziert wieder wegwerfen möchte. So möchte kein Züchter seine Schützlinge sehen und natürlich weckt dies auch den Eindruck, dass es dem zukünftigen Halter weniger um das Tierwohl als den finanziellen Aspekt geht.
Da stellt sich ein Züchter dann schon einmal schnell die Frage: Wird dieser Hamsterhalter zum Tierarzt gehen, wenn der Hamster einmal erkrankt, oder ist es für ihn billiger und unkomplizierter sich einfach ein neues Tier anzuschaffen? Ist der Interessent überhaupt willens, den Hamsterkäfig artgerecht einzurichten und hochwertiges Futter anzubieten, oder ist ihm das ebenfalls "zu teuer"?
Die meisten Züchter reagieren darum sehr allergisch, wenn man vom "Kauf" ihrer Tiere spricht. Stattdessen wird bevorzugt von "vermitteln", "adoptieren" oder "aufnehmen" gesprochen. Das Tier soll als Familienmitglied gesehen werden und an tierärztlichen Bbehandlungskosten, Haltungskosten etc. soll auch in Zukunft nicht gespart werden.
Auch ist die Frage nach dem Preis eigentlich eine der unwichtigeren Fragen - schließlich ist der Preisvergleich unter Züchtern häufig mit dem Vergleich von "Äpfeln und Birnen" gleichzusetzen. Die erheblichen Preisunterschiede, die es gerade bei Hamstern gibt, sind aber nicht selten auf erhebliche "Qualitätsunterschiede" zurückzuführen. Bei der Aufnahme eines neuen Familienmitgliedes ist "Geiz" aber ganz und gar nicht "geil"! Tiere aus guter Aufzucht haben ihren Preis - anders ist eine gute Zucht nicht zu finanzieren. Allein der Unterhalt der Hamster kostet viel Geld und auch wenn einmal keine Würfe anstehen, müssen die vorhandenen Tiere versorgt werden. Zudem verschlingt die Zucht eine Unmenge an Zeit, allein die Beantwortung der vielen Anfragen in einer erfolgreichen Zucht nimmt täglich mehrere Stunden Zeit in Anspruch und auch weitere Verpflichtungen (Abholtermine/Messebesuche/Austausch mit Züchtern/Weiterbildung/Zuchtplanung etc.) müssen erledigt werden. Mit einer Hamsterzucht lässt sich kein Geld verdienen!
Um keine Missverständnisse aufkommen zulassen: Die Frage nach dem Preis ist in Ordnung und wird von jedem Züchter auch erwartet. Die Art und Weise ist entscheidend!
Die meisten Züchter einer Rasse pegeln sich in einer Preislage ein, die nur geringfügig nach oben und unten schwankt und dann den Aufwendungen angemessen ist. Wer deutlich nach oben abweicht, sollte dafür einen plausiblen Grund nennen können. Da kann man dann natürlich einfach mal nachfragen. Vielleicht war es eine teure Auslandsverpaarung oder andere Gründe sprechen dafür. Allerdings sollte man auch immer nachfragen, wenn ein Züchter mit seiner Schutzgebühr deutlich nach unten abweicht! Billigpreise sind nur mit „Sparaufzucht“ möglich. Wenn die Grundversorgung mangelhaft ist, wird der neue Mitbewohner eventuell an den Folgen leiden und dem neuen Besitzer am Ende mehr Kosten verursachen, als ein Tier aus guter Zucht in der Anschaffung gekostet hätte.
Auch Interessenten, die kurzentschlossen ein Tier kaufen möchten, völlig gleich woher, Hauptsache sofort oder zu Weihnachten, Ostern etc., outen sich als unüberlegte und oberflächliche Zeitgenossen. Tiere richten sich nur nach einem Plan: Dem Plan der Natur. Sie folgen nicht deinem Terminkalender. Wer nach seinem Entschluss, sich ein Tier zuzulegen, keine 8 Wochen Geduld hat, bei einem guten Züchter auf ein passendes, abgabebereites Tier zu warten, sollte besser ganz auf ein Tier verzichten. Denn vermutlich wird ihm später auch für den Hamster die Geduld fehlen.
Text in Anlehnung an züchter.info



