Freilauf
Auch ein Hamster, der in einem großzügigen Käfig lebt, möchte sich mal richtig austoben. Ein Auslauf ist daher sehr wichtig!
Im Idealfall sollte der Hamster jeden Abend die Gelegenheit bekommen, den Käfig für eine halbe Stunde zu verlassen.
Nicht in jeder Wohnung ist es aber möglich, den Hamster einfach mal laufen zu lassen (Kabel, andere Tiere) - daher muss sich bereits vor der Anschaffung eine Auslaufmöglichkeit überlegt werden. Ein Auslauf im Garten oder auf dem Balkon kommt nicht in Frage!
Leider sind viele Auslaufmöglichkeiten, die im Handel angeboten werden, nur bedingt geeignet. Häufig sind sie so gestaltet, dass der Hamster (auch wenn er kein guter Kletterer ist) an Sprossen hochklettern kann und die Ausbruchsgefahr recht hoch ist. Es kann darum sinnvoll sein, sich selbst aus einigen Holzplatten (z.B. Pappelsperrholz) einen Auslauf zusammen zu bauen...
Warum Auslauf wichtig ist!
In der freien Natur leben Hamster in kargen und öden Wüstenregionen.
Aufgrund der geringen Vegetation müssen die Hamsterchen darum auf ihrer Futtersuche oft mehrere Kilometer zurücklegen.
Werden Hamster als Heimtiere gehalten, sind Nahrung und benötigtes Nistmaterial jedoch immer in Reichweite, so dass das Leben für den Hamster deutlich einfacher und bequemer wird. Das ist eine tolle Sache, hat jedoch für den natürlichen Bewegungsdrang des Hamsters auch Nachteile.
Wichtig ist natürlich in erster Linie, dass ein Hamster artgerecht gehalten wird und einen großen und interessant gestalteten Käfig zur Verfügung hat. Doch auch dann sollte ein Hamster die Möglichkeit bekommen, sich im Auslauf auszutoben.
Auslauf in der Wohnung
Die Auslaufzohne kann Teil eines Wohnraums sein, den man mit Brettern (z.B. aus dem Baumarkt) absperrt oder durch ein Gitter abtrennt. Es sollte zuvor sicher gestellt werden, dass der Hamster keine Möglichkeit hat, auszubrechen.
Um den Teppichboden zu schützen und keine Angriffsfläche für die scharfen Zähnchen zu bieten, kann ein großes Bettlaken ausgelegt werden. Auch auf glatten oder kalten Flächen empfielt es sich, eine Abdeckung auszulegen.
Ein beliebter Ort für den Hamsterauslauf ist auch die Couch im Wohnzimmer. Hier ist darauf zu achten, dass der Hamster nicht irgendwie herunterhüpfen kann. Ein Sturz kann böse Folgen haben.
Daher sollte das Tier auch niemals einfach so auf einen Tisch gesetzt werden, denn die kurzen Beinchen machen den kleinen Nager, schon bei Stürzen aus geringer Höhe, sehr anfällig für tödliche
Wirbelsäulenverletzungen.
Wenn man möchte kann man einen Hamster auch im Badezimmer laufen lassen, meist lauern hier noch die wenigsten Gefahren, allerdings sollte man die Abflüsse, sowie die Zwischenräume am
Toilettendeckel sicheren, da Hamster neugierige Tiere sind, schlüpfen sie natürlich in jeden möglich Öffnung. Außerdem sind die meisten Badezimmer gefliest, sofern keine Fußbodenheizung vorhanden
ist, sind Fliesen oder Steinboden zu kalt für die Tiere und der Untergrund sollte abgedeckt werden, z. B. mit Holzplatten oder dickem Pappkarton.
Den Auslauf sichern
Man kann den Hamster in der Regel nicht einfach frei in der Wohnung laufen lassen, da dort zu viel Gefahren lauern. Daher sind für einen sicheren Auslauf einige Vorkehrungen zu treffen.
Gefährlich sind beispielsweise große Schränke, hinter die ein Hamster kriechen und dort feststecken kann. Auch können hinter Schränken, da dort nicht so oft gereinigt wird, schmutzige spitze Kleinteile oder unverträgliche Gegenstände liegen.
Wichtig ist zudem, dass keine Steckdosen, Kabel oder giftige Pflanzen in die Reichweite des Hamsters geraten.
Beim Auslauf sollten alle Türen und Fenster des Raumes geschlossen gehalten werden und nach Möglichkeit ein "Warnschild" an der Türklinke angebracht werden. So kann verhindert werden, dass jemand plötzlich eine Tür öffnet und den Hamster entwischen lässt oder ihn durch die Tür oder Drauftreten verletzt.
Auch sollten alle Schranktüren und Schubladen geschlossen und erreichbare Ritzen, Spalten und Fugen abgedichtet werden. Gelingt es dem Hamster erst einmal sein Köpfchen durch ein Loch zu stecken, so dauert es in der Regel nicht lange, bis auch der Rest von ihm darin verschwindet.
Es sollte bedacht werden, das Hamster, wenn auch häufig etwas tollpatschig und ungeschickt, im Bedarfsfall zu flinken Kletterkünstlern werden können. Gardinen, die bis auf den Boden hängen, sollten in sicherer Höhe befestigt werden, um gefährliche Abstürze zu vermeiden. Auch tiefe, hohle Gegenstände (Vasen, Eimer) vorallem mit engem Hals sollten unbedingt entfernt werden. Hamster kommen meist problemlos überall hinein, teilweise aber nicht wieder hinaus!
Selbstverständlich sollte sicher gestellt werden, dass andere Tiere (auch Artgenossen) keinen Zugang zum Hamster haben, wenn dieser seinen Auslauf genießt!
Wichtig ist, dass man Hamster im Auslauf niemals unbeobachtet lässt. Man sollte immer dabei bleiben und sich die nötige Zeit und Ruhe nehmen, um den Hamster zu beobachten.
Hamster sind sehr erfinderisch und entwischen in einem unbeobachteten Moment schnell aus dem Blickfeld.
Den Auslauf interessant gestalten
Das Auslaufgehege sollte für den Hamster möglichst artgerecht und interessant gestaltet werden. Es reicht nicht aus, den Hamster einfach auf den Boden zu setzen und ein bisschen umherwatscheln zu lassen. Neben verschiedenen hamstergerechten Spielgeräten (Laufrad, Tunnel, Buddelkiste etc.) bietet es sich an, auch einige Leckerlies in der Freilaufzone zu verteilen.
In manchen Fällen kann auch die eigentliche Behausung mit in den Auslauf integriert werden. Wenn möglich, kann der Käfig auf den Boden innerhalb des gesicherten Bereichs gestellt und geöffnet werden. Auf diese Weise kann der Hamster immer selbst bestimmen, wann er wieder zurück in die gewohnte, heimische Umgebung möchte. Auch hier sollte der Hamster jedoch jederzeit unter Beobachtung stehen.
Der richtige Zeitpunkt für Auslauf
Bevor man einem Hamster Auslauf gewährt, sollte er auf jeden Fall an den Menschen gewöhnt sein und keine große Scheu vor der Hand haben, denn ansonsten würde das Raussetzen und wieder Einfangen für Mensch und Tier sehr stressig werden.
Um den Hamster dann mit der Hand in die Freilaufzone zu setzen, ist es wichtig den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.
Der Auslauf kann noch so gut gemeint sein, wenn er nicht in den Zeitplan des Hamsters passt, kann das Freilauf-Angebot schnell zum Stressfaktor werden. Wie immer gilt eben auch hier wieder das Motto, nicht der Mensch, sondern das Tier bestimmt den Zeitpunkt, alles andere wäre eine unnötige Belastung für den Hamster.
Nur wenn ein Hamster wirklich wach ist und seine aktive Zeit beginnt, macht es Sinn ihm Auslauf zu gewähren. Das heißt, ist der Hamster gerade aufgestanden, sollte man ihn nicht gleich herausholen, er braucht nun erst mal eine gewisse Zeit, um komplett wach zu werden und seine "Morgentoilette" zu erledigen.
Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, erkennt man daran, dass der Hamster aktiv im Hamsterheim umherläuft und seine Öhrchen ganz aufgerichtet und die Augen vollständig geöffnet sind.
Nun kann man ihn vorsichtig aus seiner Behausung holen und in die Freilaufzone setzten. Oft kann man auch schon am Verhalten des Hamsters erkennen, dass er nun Auslauf möchte. Ein häufiges Zeichen ist z. B. das Nagen an den Gitterstäben.
Kein Auslauf im Freien
Einem Hamster sollte man niemals unter freien Himmel Auslauf gewähren. Draußen können sich Hamster durch den Kontakt mit allen möglichen Gegenständen verschiedene Krankheiten holen, die nicht hamstertypisch sind und beim Tierarzt nur schwer erkannt werden. Nicht nur Würmer und andere Parasiten (Zecken, Milben etc.) können zu großen gesundheitlichen Problemen führen. So kann ein verschmutzen Rasen (beispielsweise durch Düngemittel, Vogel- und anderem Tierkot) häufig unerkannt zu schlimmen Problemen führen. Auch diverse für Hamster giftige Pflanzen, die im Garten zu finden sind, bergen ein großes Gesundheitsrisiko. Zudem lauern auch noch Gefahren aus der Luft und möglicherweise sogar aus dem Garten des Nachbarn. Heimische Vögel, Marder, Nachbars Katzen etc. und eventuell auch freilaufende Hunde sehen in einem Hamster eine nette Abwechslung auf ihrem Speiseplan.
Davon abgesehen ist das Klima bei uns in Mitteleuropa für Hamster nicht geeignet. Selbst im Hochsommer ist es meistens zu kalt draußen - zumindest du den Zeiten, in welchen der Hamster gerne Auslauf hat. Denn Hamster sind nachtaktiv und wollen tagsüber in keinem Fall draußen an der Sonne sein, sondern in ihrem schönen dunkeln Häuschen und bei Dämmerung bzw. in der Nacht ist es eben in unseren Breiten viel zu kühl. Selbst wenn das Thermometer 20° oder mehr anzeigt, ist der Boden, auf dem das Tier läuft, wesentlich kälter. Blasenentzündungen und Verkühlung sind dann keine Seltenheit.
Hinzu kommt, dass sich ein Hamster in kürzester Zeit in der neuen Umgebung zurechtgefunden hat und das angeborene Wildverhalten als Fluchttier gewinnt die Oberhand. Ganz schnell hat er
Schlumpfwinkel entdeckt und ist verschwunden. Selbst senkrechte Wände sind kein echtes Hindernis, rauer Putz ist der ideale Untergrund um daran empor zu klettern. Lockeres Erdreich wird schnell
genutzt, um sich einzugraben und wenn der Hamster erst mal im Unterholz, Gestrüpp oder Laub verschwunden ist, weiß man auch was Tarnfarbe bedeutet. Und ist der Hamster dann entwichen, bietet sich
ihm ein Lebensraum, der völlig ungeeignet für ihn ist und den sicheren Tod bedeuten würde.
Ebenso ungeeignet ist der Auslauf auf einem Balkon, denn einen solchen komplett abzudichten und sämtliche Absturzmöglichkeiten zu sichern ist ein an sich unmögliches Unterfangen. Da öffnet man
lieber mal das Fenster und lässt so frische Luft für den Hamster rein (natürlich darauf achten, dass der Kleinen keinen Zug bekommt) und mit Löwenzahn, Gänseblümchen o. ä. (gut abwaschen und von
Wiesen ohne Pestizidbehandlung und Düngereinsatz) kann man die Natur ja auch zum Hamster bringen.
Text in Anlehung an Speedy's Hamsterseiten



