Inzucht

Überall wo es um Zucht geht, ist das Thema Inzucht nicht wegzudenken.

Häufig wird angenommen, dass Inzucht eine Ursache von Krankheiten sein kann. Dies ist schlicht und ergreifend falsch!

 

Wir möchten hier zumindest grob über Inzucht in der Hamsterzucht aufklären und anhand einiger Informationen zeigen, was darunter wirklich zu verstehen ist.

 

In der Regel wird versucht, möglichst "blutsfremde" Tiere für die Zucht zu finden - dahinter steckt der Wunsch, viele verschiedene genetische Kombinationen zu erhalten und keine nah verwandten Tiere zu kreuzen. Aber warum?

 

Inzucht macht nicht krank...

Im Allgemeinen gehen die meisten Menschen davon aus, dass Inzucht etwas Negatives ist, zu missgebildetem und krankem Nachwuchs führt und von seriösen Züchtern keinesfalls eingesetzt werden sollte.

 

Zum Verständnis ist zunächst wichtig zu wissen, dass man von "Inzucht" als einer "Verpaarung direkt verwandter Individuen" spricht.  Hierzu gehört beispielsweise die Verpaarung von Vater und Tochter, Mutter und Sohn, Bruder und Schwester.

Solche Verpaarungen haben die Besonderheit, dass mit erhöhter Wahrscheinlichkeit von beiden Elternteilen die gleichen Erbanlagen an die Jungtiere weitergegeben werden. Man könnte ja sehr grob und vereinfacht behaupten, dass ein Jungtier immer zur Hälfte aus mütterlichen und väterlichen Genen besteht, also von beiden Elternteilen die Hälfte vererbt bekommt. Verpaart man nun Mutter und Sohn, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Jungtiere zweimal die gleichen Gene bekommen könnten...

 

 

Generation 1             Mutter          Vater
    Gen 1 + Gen X   Gen 2 + Gen Y
         
Generation 2     Tochter   
      Gen 1 + Gen 2  
         

Hier wird sichtbar, dass sowohl Mutter, als auch Vater an ihre Tochter einen Teil ihrer Gene vererben. Die Tochter vereint also die mütterlichen und die väterlichen Gene in sich.

 

 

Inzucht -               Tochter                        Vater
verpaarung   Gen 1 + Gen 2   Gen 2 + Gen Y
         

Nachkommen

aus Inzucht

   

Tochter/Sohn

Gen 2 + Gen 2

 

 

 

   

 

 

Bei einem Teil der Jungtiere wird es vorkommen, dass sie von ihren Eltern (Tochter und Vater der ersten Verpaarung) das gleiche Gen (in unserem Beispiel Gen 2) vererbt bekommen. Handelt es sich dabei um ein rezessives Gen, das für die Ausprägung einer Erbkrankheit zuständig ist, so werden diese Jungtier, aufgrund der doppelten Ausprägung des Gens, an der Krankheit erkranken.

 

 

... Inzucht macht sichtbar!

Da viele Gene rezessiv sind (vgl. Vererbungslehre), werden sie nur dann sichtbar, wenn das Jungtier das Gen von beiden Elternteilen bekommt. Bei einer Verwandschaftsverpaarung ist diese Chance (wie oben dargestellt) deutlich erhöht. Dies führt dazu, dass auch rezessive Gene häufig zum Vorschein kommen. Dies kann (z.B. im Fall seltener Farbgene) sehr spannend und vom Züchter gewünscht sein, im Falle gefährlicher Erbkrankheiten jedoch natürlich sehr problematisch sein.

Im positiven Fall werden also gewünschte Eigenschaften der Elterntiere im Jungtier verstärkt und kommen zum Vorschein, so dass sie gefestigt werden können. Im negativen Fall zeigen sich versteckte genetische Krankheiten.

Durch Inzuchtverpaarungen offenbart sich also, welche rezessiven Gene in einer Linie verborgen schlummern...

 

Inzuchtverpaarungen können aus diesem Grund ein probates Mittel dafür sein, herauszufinden, welche Gene im Bestand vorhanden sind, ob die Zuchttiere kranke Anlagen tragen und diese im Falle eines Falles gezielt zu selektieren. So können sie sich dann nicht unbemerkt im gesamten Zuchtbestand verbreiten und später doch einmal zum Ausbruch kommen. Durch Inzucht kann ein erfahrener (!) Züchter also relativ sicher erkennen, was in seinen Tieren steckt.

 

 

Auch rezessive Farbgene können anfangs nur über Inzuchtverpaarungen vermehrt und gefestigt werden.

 

Sind die Elterntiere gesund und tragen keine versteckten Erbkrankheiten, ist Inzucht nicht prinzipiell schädlich. Im Gegenteil - es können auch positive Eigenschaften und körperliche Merkmale verstärkt werden.

Bei einer Verpaarung zweier Elterntiere, die jedoch beide problematische Gene tragen, kommen diese häufig zum Vorschein und beim Nachwuchs treten die entsprechenden Krankheiten auf.

Diese auftretenden Probleme sind aber nicht durch die Inzucht verursacht, sie sind bereits in der Linie vorhanden und werden lediglich sichtbar gemacht.

 

Weitere Informationen zum Thema findet man hier: