Schwangerschaft und Aufzucht

Nach dem Deckakt, zu dem wir Männchen und Weibchen für kurze Zeit unter Aufsicht zusammenführen, hoffen wir darauf, dass die Verpaarung geglückt ist und das Weibchen aufgenommen hat. Nach kurzer Zeit lässt ein verräterischer Bauchansatz zusammen mit einer Gewichtszunahme und das typische Verhalten trächtiger Weibchen (z.B. Nestbau) dann meist die Vermutung zu, dass wir uns auf Nachwuchs freuen dürfen.

 

Steht die Geburt kurz bevor, entfernen wir die für Jungtiere gefährlichen Gegenstände aus dem Gehege (z.B. Laufrad) und bemühen uns noch verstärkt um Ruhe und nährstoffreiches Futter für die werdende Mutter.

Sind die Jungen geboren worden, kontrollieren wir vorsichtig das Wurfhäuschen, während wir die Mutter mit einigen Leckerbissen ablenken und lassen die junge Familie dann zunächst komplett in Ruhe. Sehr vorsichtig und rücksichtsvoll gelingt es uns in der Regel immer, die Mami täglich für kurze Zeit vom Nestchen abzulenken, so dass wir einige Bilder der Jungtiere schießen und die Entwicklung so dokumentieren können.

 

Da der Charakter der Hamster für uns eine große Rolle spielt, diese Eigenschaft aber nur teilweise vererbt wird, achten wir besonders auf die gelungene Sozialisation unserer Hamsterkinder. Das Wesen des Hamsters wird vorallem durch das Zusammenleben mit der Mutter und den Geschwistern geprägt. Aus diesem Grund sollten die Nachkommen so lange wie möglich bei der Mutter verbleiben, bis (mit dem Eintritt der Geschlechtsreife) keine gemeinsame Haltung mit der Mutter mehr möglich ist. In der Regel werden die Hamsterkinder darum möglichst spät (erst mit 25 bis 28 Tagen) von ihrer Mutter getrennt. In Einzelfällen kann allerdings auch eine frühere Trennung von der Mutter notwendig sein. Die Jungtiere bleiben anschließend in gleichgeschlechtlichen Gruppen zusammen, wobei die Weibchen häufig bei der Mutter verbleiben können.

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor bei der Ausbildung der Charaktermerkmale ist die Handaufzucht durch den Menschen. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Jungtiere spätestens ab dem 14. Lebenstag täglich an den Umgang mit Menschen gewöhnt werden. Damit ist nicht gemeint, dass die Welpen aus dem Nest gezerrt und gekuschelt werden, sondern, dass sie vorsichtig und einfühlsam an die menschliche Stimme, den Geruch und das Anfassen gewöhnt werden.

 

Ab einem Alter von 5-6 Wochen ist der Hamster dann komplett selbständig und kann als handzahmes Hamsterkind in sein neues Zuhause einziehen! Auch wenn unsere Hamster alle an den Menschen gewöhnt sind und es daher bisher immer sehr gut gelungen ist, den Hamster an seinen neuen Besitzer zu gewöhnen, ist unbedingt zu beachten, dass wir Menschen immer in der Verantwortung stehen, die Beziehung zum Tier zu bestimmen. Auch wenn wir Züchter niemals in der Lage sein werden, einem Hamster seinen natürlichen Lebensraum außerhalb eines Käfigs komplett zu ersetzen, so sind wir dennoch in der Pflicht dem Tier durch die artgerechte Unterbringung, liebevollen und respektvollen Umgang und ausgewogenes Futter ein möglichst natürliches und unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Dazu gehört das Verständnis für die Tatsache, dass ein Hamster (anders als ein Hund oder eine Katze) vom Menschen weitgehend emotional unabhägig ist und diese Distanz respektiert und akzeptiert werden muss. Bei einer liebevollen Pflege und vorsichtigem Umgang mit dem Tier, wird aber auch ein Hamster eine Bindung zum Menschen entwickeln und seine natürliche Scheu verlieren. Um dies zu erreichen, darf der Hamster nicht beim Schlafen gestört und aus dem Häuschen gezerrt werden! Wie zutraulich der Hamster wird, liegt deshalb ganz in der Hand des Halters, der dem Hamster die Möglichkeit zum vorsichtigen Kennenlernen und Vertrauen fassen geben muss.

 

Sind die jungen Hamster ausgezogen, darf sich die Hamstermutter in aller Ruhe erholen, bevor wir entscheiden, ob wir ihr einen nächsten Wurf zumuten können. Wir sind zwar eine kleine Hobbyzucht und haben nur wenige Stammtiere, dennoch ist uns sehr wichtig, den Weibchen genügend Erholungspausen zwischen den Würfen zu gönnen, damit sie ihren Nachwuchs zu starken und gesunden Hamsterkindern heranziehen können. Deshalb haben wir in unserer Zucht deutlich mehr weibliche als männliche Tiere. Unsere Weibchen können sich in langen Abständen mit dem Werfen abwechseln und erhalten zwischen den Würfen genügend Zeit zur Regeneration.